THOM TRAUNER

Gewinner Aquarell-Wettbewerb „Meister von Morgen”, Leopold Museum, Wien


Somehow the work of Thom Trauner suggests a whole new meaning, one cannot pursue happiness, it is a mad search, happiness is here, now we just do not see it.
Prof. Richard Gustafson/NYC


In seiner Malerei entwickelte er eine zeitgemäße Bildsprache, die von Medienfundbildern ausgeht. Ungeniert wählt er seine Themen. Das Pixelhafte erzeugt Unschärfe, die Trauner ebenfalls in die malerische Bildwelt überträgt. Momentan liegt sein Schwerpunkt auf Porträts. Er zeigt junge Damen, aufgewühlt und emotionalisiert. Er zerstört die perfekt stilisierten Darstellungen aber wieder, um mit Verzerrung und Unschärfe erneut Distanz zu seinen "Models" herzustellen.
Vera Rathenböck (Kronen Zeitung)


Thom Trauner zwingt uns mit seinen großen Tafelbildern noch einmal scharf zu stellen, hinter die Dinge zu schauen. Er ist unbequem, gesellschaftspolitisch brisant und malerisch ein großer Könner.
Josef Aigner (Salzkammergut Rundschau)


Tiefer zu blicken, nicht an der Oberfläche und der vermeintlichen Deutlichkeit hängen zu bleiben - das ist ein Credo von Trauners Arbeit.
Reinhold Gruber (OÖ-Nachrichten)



Wir sehen und empfangen Bilder, nicht nur von Ereignissen die wir selbst erleben und unmittelbar wahrnehmen, sondern auch welche, die von anderen angefertigt in unser Wahrnehmungsfeld eindringen. Bilder von Wichtigkeit und Unwichtigkeit, voll Grausamkeit und voll Zärtlichkeit, von Gleichgültigkeit und Betroffenheit. Obwohl - dies kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Wir leben in einer sogenannten schnelllebigen Zeit, wir können dem nicht entgegenwirken und sollen dies auch nicht.

Der Bildersturm rund um uns und schlussendlich auch in unseren Köpfen geben Einblicke in das Seelenleben Einzelner aber nicht den Blick auf das Wesentliche frei. Bildet das gezeigte Bildkonglomerat die Wahrheit ab, das Wirkliche oder ist es doch wieder nur ein Spiegel, ein Zerrspiegel, vielleicht nur ein Schauspiel des zeigenden Individuums.

Wie können wir uns auf das Dargestellte einlassen, auf die scheinbare Dichte an Information, wie können wir entscheiden wie wir Dinge wahrnehmen? Manches Mal bleibt uns doch keine Wahl, und wir müssen das Augenscheinliche als die Wahrheit, die Realität oder dem Abbild davon, akzeptieren.

Wir können nur Fragen stellen, doch die Antworten sind für jede Person wiederum individuell. Doch helfen uns diese Antworten Einblick in diese Welt in der wir leben zu nehmen, damit umzugehen, vielleicht manches zu akzeptieren.

Samples - Beispiele, aus dem Zusammenhang gerissen, gefunden in fremden Erinnerungen, unbekannter Herkunft, aus dem großen Ganzen entnommen, werden neu arrangiert, neu bearbeitet, mit persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen versehen, ergeben eine neue Sichtweise, ergeben ein neues Ganzes. Auch hier kann jeder für sich entscheiden ob diese neu geschaffene, neu interpretierte Wahrheit ein tatsächliches Abbild des Ursprungs oder der Seele des Künstlers, oder doch wiederum nur ein Teilbild im Kopf des Rezipienten entstehen lässt.

Denn es handelt sich bei den Beispielen als auch bei den Interpretationen derselben nur um Schnappschüsse, die nur neu arrangiert wurden, von der Nähe betrachtet eine verzerrte, unscharfe Ahnung provozieren, aber bei fernerer Betrachtung kann ein Gesamtbild wahrgenommen werden - eventuell.

Thom Trauner



Bei dieser Vielseitigkeit, die Thom Trauner an den Tag legt, scheint es ungenügend, die biografischen Details nach stereotypem Muster abzuhandeln. Über manch unverhandelbare Gegebenheiten – geboren 1964 in Wels, seit 1999 in Scharnstein lebend – kommt man dennoch nicht ohne diesbezügliche Erwähnung hinweg.

Aus einer Handwerkerfamilie stammend, wählte Thom Trauner den Weg einer Lehre als Lithograf. Das künstlerische Schaffen seiner Mutter, deren Werke im Zweiten Weltkrieg fast zur Gänze unwiederbringlich verloren gingen, inspirierten ihn bereits von Jugend an. Schon früh versuchte Thom Trauner dieses Talent mittels eigener Wege in der Kunst umzusetzen: Neben seinem Beruf, in welchem er die bloßen Grundzüge von klassischer Fotografie und herkömmlicher Druckverfahren kennen lernte, wandte er diverse Edeldruckverfahren wie z. B. Cyanotypie an und gestaltete sie individuell.

Obschon das Hauptaugenmerk seines Schaffens auf bildnerischer Ebene liegt, ist Thom Trauner seit den frühen 80ern mit der Punkrock-Band „Frontal” fest verbunden.

Gleichwohl unbeirrbar beschäftigt er sich im Selbststudium intensiv mit Praxis und Theorie zahlreicher Mal- und Zeichentechniken, um diese über die Jahre zu einem eigenständigen Stil auszubauen. Dennoch erfährt das „Gesamtwerk” im Jahr 1995 eine massive Zäsur: Zahlreiche Werke wurden von ihm vernichtet, um auch äußerlich einen kompletten Neubeginn zu manifestieren. Ab diesem Zeitpunkt entstanden zahlreiche, mehrheitlich großformatige Ölbilder, die den heutigen Stil vorausahnen lassen: In die Tiefe gehende Themen, durch programmatische Unschärfe klar sichtbar gemachte Manipulation, wo Konkretes mühelos zu Abstraktem wird, ohne dabei jedoch den Inhalt zu verlieren.

Thomas Rappel



Die wirklich gekonnte Art der Malerei von Thom Trauner würde ich dem Fotorealismus zuordnen. Ein Foto, ein Film oder ein „Still” als Vorlage, oder auch oft nur als Anregung für das zu malende Bild. Das heißt auch, dass das zu malende Objekt, eine Szene, nicht immer gestochen scharf auf die Leinwand gebracht wird.

Auch das Gegenteil davon ist möglich, und die Gegenstände, Szenen, Personen, werden mit einer gewissen Unschärfe dargestellt, wie wenn man durch den Filter eines Milchglases die Handlungen beobachtet. Es sind Verwischungen, die an den flüchtigen Charakter eines Zeitungsfotos erinnern. Eine schnell festgehaltene druckgrafische Notiz ins Riesige vergrößert wie bei einer Rastervergrößerung, die an Schärfe immer mehr verliert je größer sie wird, und dadurch schemenhaft, undeutlich wirkt.

Ein Paradoxon: je näher wir am Objekt sind, desto undeutlicher nehmen wir es wahr. Diese Undeutlichkeit beeinflusst gerade unsere Wahrnehmung und unser Erkennen. Die Undeutlichkeit wird hier zum Stilmittel, zum Programm, und dient dem Künstler zur Vermittlung seiner Bildinhalte.

Seit dem Krieg im Nahen Osten und am Balkan, und unsere Teilnahme daran, via Fernsehen im bequemen Lehnstuhl, müssen wir an der Glaubwürdigkeit der Vermittlung von Bildern und ihrem Wahrheitsgehalt zweifeln. Die Manipulation von Bildern ist fester Bestandteil von Information und Desinformation für Regierungen. Wir wissen nicht, was wahr ist, was die Realität ist, denn wie oft erleben wir ein Geschehen, und müssen später durch die Wiedergabe in einer Pressemeldung vom genauen Gegenteil erfahren. Ein Extremfall? Ich glaube nicht. Wir kennen weder das Davor noch das Danach. Jeder macht sich eine eigene Geschichte daraus.

Thomas Trauner ist ein Gegenwartskünstler, der sich sehr ernsthaft und sehr professionell mit solchen und anderen aktuellen Themen auseinandersetzt. Themen, die uns alle berühren und uns nicht kalt und unbeteiligt sein lassen können. Sein narrativer Malstil kommt uns dabei sicherlich entgegen.

Walter Luckeneder